Wenn Beziehungskrisen chronisch werden – Festgefahrene Muster durchbrechen

Viele Paare kennen das Gefühl: „Wir drehen uns im Kreis.“
Die gleichen Diskussionen. Die gleichen Verletzungen. Der gleiche Rückzug oder die gleiche Eskalation.

Wenn Konflikte immer wieder nach demselben Muster ablaufen, spricht man auch von einer chronischen Beziehungsdynamik. Das bedeutet nicht, dass die Beziehung gescheitert ist, sondern dass sich bestimmte Schutzmechanismen verfestigt haben.

In einer wissenschaftlich fundierten Paartherapie werden bewährte Ansätze, wie zum Beispiel die Emotionsfokussierte Paartherapie, die Schematherapie und die Acceptance and Commitment Therapy genutzt, um genau solche Muster zu verstehen und zu verändern.

Warum wiederholen sich Konflikte immer wieder?

Chronische Beziehungskrisen entstehen meist durch drei Prozesse:

1. Ein negativer Beziehungszyklus

Hinter vielen Konflikten liegt keine Bosheit, sondern oft Unsicherheit oder Angst und unerfüllte Bedürfnisse.

Ein häufiges Beispiel für einen solchen Kreislauf sieht so aus:

Eine Person kritisiert, kontrolliert oder drängt.
Die andere Person zieht sich zurück oder schweigt.
Daraufhin wird die Kritik oder Kontrolle noch intensiver.
Der Rückzug verstärkt sich weiter.

Unter der Oberfläche stehen oft Gedanken wie:
„Bin ich dir noch wichtig?“ „Genüge ich dir?“ „Kann ich mich auf dich noch velassen?“

Das Problem ist nicht die andere Person, sondern der gemeinsame Zyklus, der sich oft nicht alleine durchbrechen lässt.

2. Alte Verletzungen werden aktiviert

In engen Beziehungen werden frühe Erfahrungen besonders schnell berührt, wie z.B..

  • Angst vor Verlassenwerden

  • Gefühl, nicht zu genügen

  • Überzeugung, immer stark sein zu müssen

Diese sogenannten „Schemata“ steuern Reaktionen oft automatisch. Was manchmal wie eine Überreaktion wirkt, ist häufig ein alter Schutzmechanismus.

3. Gefühle werden bekämpft statt zugelassen

Viele Paare versuchen unangenehme Gefühle zu kontrollieren:

  • Rückzug statt Verletzlichkeit

  • Angriff statt Angst

  • Schweigen statt Unsicherheit

Die Acceptance - & Commitmentherpie zeigt aber klar: Nicht “schwierige” Gefühle zerstören Beziehungen, sondern das Ankämpfen gegen sie.

Wenn wir den Raun bekommen, Gefühle anzunehmen und trotzdem so zu handeln, wie wir als Partner/Partnerin sein möchten, entsteht oft nachhaltige Veränderung.

Wie festgefahrene Muster durchbrochen werden können

Ein integrativer Ansatz hilft in fünf Schritten:

  1. Den Zyklus erkennen
    Nicht „du bist das Problem“, sondern „wir stecken in einem Muster“.

  2. Verstehen, was in mir aktiviert wird
    Welche alte Angst oder Verletzung wird berührt?

  3. Gefühle zulassen statt vermeiden
    Verletzlichkeit schafft Nähe.

  4. Werteorientiert handeln
    Wie möchten Sie als Partner/Partnerin sein – auch in schwierigen/krisenhaften Momenten?

  5. Neue Erfahrungen machen
    Durch positive Beziehungserfahrungen, kann sich das Verhalten nachhaltig ändern.

Fazit

Chronische Beziehungskrisen bedeuten nicht, dass die Liebe weg ist. Oft zeigen sie nur, dass beide Partner sich schützen.

Wenn Paare beginnen,

  • ihren gemeinsamen Konfliktzyklus zu verstehen,

  • ihre emotionalen Bedürfnisse auszusprechen,

  • und anders aufeinander zu reagieren,

entsteht wieder Verbindung.

Wenn Sie das Gefühl haben, immer wieder an denselben Punkt zu geraten, kann eine strukturierte Paartherapie helfen, diesen Kreislauf sichtbar zu machen – und gemeinsam zu durchbrechen.

In meiner Praxis für Paartherapie in Düsseldorf und auch online helfe ich Paaren als erfahrene Psychologin und Paartherapeutin, Konfliktmuster Sichtbär zu machen und wieder mehr Verständnis, Nähe und Leichtigkeit in die Beziehung zu bringen.

Quellen und weiterführende Literatur

Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (2012). Acceptance and commitment therapy: The process and practice of mindful change (2nd ed.). Guilford Press.

Johnson, S. M. (2004). The practice of emotionally focused couple therapy: Creating connection (2nd ed.). Brunner-Routledge.

Johnson, S. M. (2019). Attachment theory in practice: Emotionally focused therapy (EFT) with individuals, couples, and families. Guilford Press.

Wiebe, S. A., & Johnson, S. M. (2016). A review of the research in emotionally focused therapy for couples. Family Process, 55(3), 390–407. https://doi.org/10.1111/famp.12229

Young, J. E., Klosko, J. S., & Weishaar, M. E. (2003). Schema therapy: A practitioner’s guide. Guilford Press.

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Emotionale Affäre und Fremdgehen: Verstehen, verarbeiten und Beziehung neu aufbauen