Was, wenn wir unterschiedliche Vorstellungen von unserer Zukunft haben?
„Wo siehst du uns in fünf Jahren?“
Manchmal führt diese Frage zu schönen Gesprächen und manchmal wird sie plötzlich schwierig. Denn nicht jedes Paar hat immer dieselben Vorstellungen von der Zukunft. Vielleicht wünscht sich eine Person Kinder, die andere nicht. Eine möchte aufs Land ziehen, die andere liebt das Leben in der Stadt. Oder eine sehnt sich nach mehr Sicherheit, während die andere von Veränderung und Freiheit träumt.
Solche Unterschiede müssen natürlich nicht bedeuten, dass eine Beziehung scheitert. Aber sie laden uns dazu ein, genauer über Bedürfnisse und Zukunftsvorstellungen zu sprechen.
Hinter jedem Wunsch steckt etwas Wichtiges
In der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) schauen wir nicht nur auf die Entscheidung selbst, sondern darauf, was sie für den Menschen bedeutet. Denn hinter dem Wunsch nach einem Haus steckt vielleicht das Bedürfnis nach Sicherheit. Hinter dem Wunsch zu reisen vielleicht die Sehnsucht nach Freiheit oder Entwicklung.
Wenn wir beginnen, ganz ehrlich über unterschiedliche Wünsche oder Zukunftsvorstellungen zu sprechen, verändert sich oft das Gespräch. Es geht nicht mehr darum, wer Recht hat, sondern darum, einander zuzuhören und wirklich verstehen zu wollen.
Fragen wie diese können dabei helfen:
Was bedeutet dieser Wunsch für dich?
Was wäre so wertvoll daran?
Wovor hast du Angst, wenn dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht?
Nicht alles muss sofort gelöst werden
Wenn unterschiedliche Zukunftsvorstellungen sichtbar werden, entstehen oft Unsicherheit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Angst. Und das ist total verständlich.
Die ACT geht davon aus, dass schwierige Gefühle nicht erst verschwinden müssen, damit ein gutes Gespräch möglich wird. Ganz im Gegenteil: Wenn wir ihnen Raum geben, können wir oft klarer zuhören und besser verstehen, was meinem Partner/meiner Partnerin wichtig ist.
Und wenn wir uns wirklich nicht einig werden?
Es gibt natürlich Themen, bei denen es keine einfache Lösung gibt. Zum Beispiel beim Kinderwunsch oder anderen grundlegenden Lebensentscheidungen wie dem Wohnort. Dann geht es nicht darum, wer nachgibt oder gewinnt. Sondern darum, ehrlich zu prüfen, ob beide ihre wichtigen Werte in der Beziehung leben können.
Diese Gespräche sind oft schmerzhaft. Gleichzeitig können sie zu mehr Klarheit und Planparkeit führen (unabhängig davon, wie die Entscheidung am Ende aussieh)..
Fazit
Eine gute Beziehung bedeutet nicht, in allem derselben Meinung zu sein. Entscheidend ist, ob beide bereit sind, neugierig aufeinander zu bleiben und sich mit Respekt zuzuhören. Manchmal entsteht daraus ein neuer gemeinsamer Weg. Manchmal wird deutlich, dass unterschiedliche Lebensvorstellungen Grenzen haben. Beides darf sein.
Wenn Gespräche über die gemeinsame Zukunft immer wieder im Streit enden oder gar nicht mehr möglich sind, kann eine Paartherapie helfen. Gemeinsam schaffen wir einen Raum, in dem beide Perspektiven Platz haben – ohne vorschnelle Lösungen, aber mit der Möglichkeit, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.
Wenn Gespräche über die gemeinsame Zukunft immer wieder im Streit enden oder gar nicht mehr möglich sind, kann eine Paartherapie unterstützen. Als Psychologin und Paartherapeutin in Düsseldorf begleite ich Paare dabei, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, die eigenen Werte und Bedürfnisse besser zu verstehen und gemeinsam herauszufinden, welcher Weg für sie stimmig ist.
Quellen und weiterführende Links
Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (2012). Acceptance and commitment therapy: The process and practice of mindful change (2nd ed.). Guilford Press.
Harris, R. (2019). ACT leicht gemacht: Der Leitfaden für die Praxis der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (2. Aufl.). Junfermann. (Deutsche Ausgabe)