Warum die Weihnachtszeit Partnerschaften oft herausfordert
Wenn Nähe erwartet wird und Konflikte entstehen
Die Weihnachtszeit gilt als Zeit der Verbundenheit und Harmonie. Gleichzeitig erleben viele Paare gerade dann mehr Streit, Rückzug oder emotionale Distanz. Aus psychologischer Sicht ist das kein Zufall: Hohe Erwartungen, emotionaler Stress und alte Beziehungsmuster treffen in dieser Phase besonders intensiv aufeinander.
Weihnachten ist stark idealisiert. Unbewusste Annahmen wie „Jetzt sollten wir glücklich sein“ oder „An Weihnachten darf es keinen Streit geben“ erhöhen den Druck. Aus Sicht der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) führen solche Erwartungen bei Enttäuschung schnell zu negativen Denkspiralen, Schuldzuweisungen und Eskalation.
Aktivierung alter Beziehungsschemata
Zeitdruck, familiäre Verpflichtungen und finanzielle Belastungen reduzieren manchmal die Fähigkeit, Emotionen angemessen zu regulieren. Unter Stress greifen Menschen auf automatisierte, oft wenig hilfreiche Beziehungsmuster zurück, wie zum Beispiel Angriff, Rückzug oder Anpassung.
Aus Sicht der Schematherapie sind viele Personen in der Weihnachtszeit besonders anfällig dafür in alte Beziehungsmuster zu verfallen, denn Nähe, Familie und Rituale aktivieren oft früh entstandene Schemata wie Verlassenheitsangst, Unzulänglichkeit oder das Gefühl, nicht wichtig zu sein. Das Verhalten des Partners/der Partnerin wird dann schneller als Zurückweisung, Angriff oder Kritik erlebt, weil ein altes Schema aktiviert worden ist.
Typische Konfliktmuster: Angriff oder Rückzug
Ein häufig beobachtetes Muster, das insbesondere in der Emotionsfokussierten Paartherapie beschrieben wird, ist der sogenannte Pursuer–Withdrawer-Zyklus:
Eine Person sucht Nähe, klagt oder kritisiert
Die andere Person fühlt sich überfordert und zieht sich zurück
Der Rückzug verstärkt die Angst der ersten Person
Die Eskalation nimmt zu
An Weihnachten wird dieser Zyklus oft intensiver, da Nähe nicht nur gewünscht, sondern erwartet wird
Warum Konflikte selten gelöst werden
Viele Paare versuchen, Streit rational zu „klären“, statt emotionale Bedürfnisse anzusprechen. Andere vermeiden Konflikte ganz, um die Harmonie nicht zu gefährden. Beides verhindert echte Nähe, und das besonders in einer Zeit, in der Verbindung eigentlich im Mittelpunkt stehen soll.
Was helfen kann
Paartherapeutisch wirksam ist es,
unrealistische Erwartungen an Weihnachten zu hinterfragen
eigene Schemata und Bewältigungsmuster zu erkennen
und den gemeinsamen Konfliktzyklus zu verstehen statt den Partner zu bekämpfen
Konflikte werden so nicht als Beziehungsversagen, sondern als Hinweis auf unerfüllte emotionale Bedürfnisse verstanden.
Fazit
Die Weihnachtszeit verursacht keine Beziehungskrisen, sondern sie macht sichtbar, was ohnehin da ist. Wer die zugrunde liegenden Muster erkennt, kann diese Phase nutzen, um mehr Verständnis, Mitgefühl und emotionale Nähe zu entwickeln (auch jenseits der Feiertage).
In meiner Praxis für Paartherapie in Düsseldorf sowie in der Online-Paartherapie begleite ich Paare dabei, wieder Nähe, Verständnis und Lebendigkeit in ihre Beziehung zu bringen. Als Psychologin und erfahrene Paartherapeutin arbeite ich mit bewährten, wissenschaftlich fundierten Methoden der emotionsfokussierten Paartherapie (EFT) und der Schematherapie für Paare.
Quellen und weiterführende Literatur
Bowlby, J. (1988). A secure base: Parent-child attachment and healthy human development. Basic Books.
Greenberg, L. S., & Johnson, S. M. (1988). Emotionally focused therapy for couples. Guilford Press.
Johnson, S. M. (2019). Attachment theory in practice: Emotionally focused therapy (EFT) with individuals, couples, and families. Guilford Press.
Young, J. E., Klosko, J. S., & Weishaar, M. E. (2003). Schema therapy: A practitioner’s guide. Guilford Press.
Beck, J. S. (2011). Cognitive behavior therapy: Basics and beyond (2nd ed.). Guilford Press.